Reingehört – Lauras Platten im April 2017

Nachdem ihr den letzten Musikbeitrag von Laura so fleißig gelesen habt, gibt es also diesen Monat wieder einen Rückblick auf die Neuerscheinungen im April 2017. Auch diesmal sind wieder sehr verschiedene, spannende Platten dabei und Laura hat sie wirklich sehr interessant und toll beschrieben! Hier findest du Lauras erste Plattenvorstellung über die Neuerscheinungen vom März 2017.

Little Hurricane – Same Sun, Same Moon

Ich habe mich für euch wieder in die Untiefen der Alben gestürtzt, die letzten Monat erschienen sind. Dabei bin ich auf „Same sun, same moon“ von Little Hurricane gestoßen. Mich hat an dieser Platte vor allem fasziniert, dass ich sie ganz schwer einordnen konnte. Ist es Crossover? Ist es experimentell? Vielleicht ein wenig Country, mit Folk und einer Prise Rock? Aber da ist doch auch Rockabilly? Ich war verwirrt beim ersten hören, aber bin dann zu folgender Schlussfolgerung gekommen: Stell dir vor, die Red Hot Chilli Peppers treffen sich mit den Beatsteaks, und die rufen dann noch die Arctic Monkeys an. Dann machen die drei Bands zusammen Musik, holen aber noch Marcus Mumford von Mumford & Sons mit seiner Folk-Gitarre dazu. Dann kommt „Same sun, same moon“ dabei raus.

Während „Lake Tahoe Eyes“ mehr an Mumford and Sons erinnert, kommt beim Opener „Same sun, same moon“ eher Red Hot Chilli Peppers-Atmosphäre rüber. So hat jeder Song auf dem Album der Little Hurricane sein eigenes, hervorstechendes Merkmal, das an anderes Bands erinnert, aber zusammengenommen entsteht eine Mischung, die ich schwer mit einer anderen Band vergleichen kann. Hinzu kommt die Stimme von  Anthony „Tone“ Catalano, die sich eventuell mit Jake Bugg oder Jamie T vergleichen lässt, aber dennoch Ihresgleichen sucht in Sachen Schrebbeligkeit und Einzigartigkeit. Kratzig und nicht Jedermanns Geschmack, aber dennoch passend und stimmig im übrigen Sound.

Das Album „Same sun, same moon“ funktioniert eindeutig besser, wenn es mehr als einmal gehört wird. Falls ich dich auf den Sound des Duos aus San Diego aufmerksam gemacht habe, dann tu dir selbst den Gefallen, und hör das Album mehr als einmal, denn erst dann versteht man die Richtung, in die die beiden Künstler wollen, richtig.

Highlight: Take it slow

Für Fans von: Mumford & Sons, Arctic Monkeys (die frühen Alben!), Kings of Leon (die späten Alben!).

Gorillaz  –  Humanz (Deluxe)

Endlich sind sie wieder da! Die Gorillaz sind zurück! „We got the power“ schallt ja schon ein paar Wochen durch die Radiosender Europas. Auch wenn sich dieses Lied eher nach einer esoterischen Selbsthilfe-Nummer anhört, ist „Humanz“ voller verschiedener Songs, verschiedener Lead-Vocals, und verschiedener musikalischer Leitthemen, die, auf eine ganz komische Art und Weise, ein großes Ganzes ergeben. So gibt es viele Songs wie „Ascension“ und „Saturn Barz“, die den Rap in den Vordergrund stellen. Andere Songs werden von weiblichen R´n´B Disco-Vocals aus dem Background getragen, die an die 70er erinnern. So hört sich zum Beispiel „Strobelite“ oder „Andromeda“ an, wie aus einer Zeitmaschine katapultiert.

Generell bewegt sich das Album irgendwo zwischen den eben erwähnten 70ern mit grellen Farben und chilligen Beats, und zwischen der unerforschten Zukunft, in der kühle, mechanische Töne und Synthies vorherrschen. Die Platte ist wirklich schwer zu beschreiben. Nach dem ersten hören empfehle ich auch dringend eine Pause, denn „Humanz“ führt zu einer psychedelischen Reizüberflutung. Dennoch ist sie sehr gut und mal wieder wirklich anders, aber trotzdem typisch Gorillaz. Kleiner Wehrmutstropfen: Die unverwechselbare Stimme von Damon Albarn rückt in den Hintergrund und erklingt meistens leise und verzerrt aus dem Off, obwohl wir uns doch alle so sehr auf ihn gefreut haben! Aber dennoch ist die Idee, Gastsängern in jedem Lied die Bühne zu überlassen, wirklich interessant.

Richtig gut wird es vor allem dann, wenn das Tempo rausgenommen wird und die ruhigen, aber dennoch kühlen und starken Töne erklingen. Bei „Humanz“ muss man wirklich ganz genau hinhören, um die feinen Unterschiede zwischen den Songs und den verschiedenen Stilrichtungen zu erkennen, und, am Ende, das große Ganze zu sehen. Aber, wie zu erwarten, es lohnt sich! Typisch Gorillaz!

Highlight: Busted and Blue

Für Fans von: Black Eyed Peas, Diana Ross, Daft Punk

Feist – Pleasure

Mit „Pleasure“ hat Feist bereits ihr sechstes Studioalbum auf den Markt gebracht. Die Platte besticht vor allem dadurch, dass sie zwar minimalistisch gestaltet ist, aber trotzdem kraftvoll und voller Bedeutung erklingt. Denn egal ob der gleichnamige Opener „Pleasure“, der ein wenig an Florence + the Machine erinnert oder der starke Song „Lost Dreams“ –  Feist hat eine Botschaft, und die kommt auch an.  Sowohl die leisen als auch lauten Töne überzeugen, obwohl die Akkustik-Gitarre oft sehr nach Alanis Morissette klingt und ein wenig aufdringlich erscheint, vor allem in „Any Party“ ist diese sehr dominant. Doch alles in allem ist das Album ein ausgewogener Mix aus laut und leise, langsam und schnell.

Besonders interessant an „Pleasure“ ist vor allem, dass viele Songs Irrungen und Wirrungen bereithalten und irgendwann eine Kehrtwende vollziehen. So erklingen in „A man is not his song“ erst ruhige, klare Töne zu der Stimme der Sängerin selbst, doch setzt auf circa der Hälftes des Liedes für kurze Zeit ein Chor ein, der dem Song eine ganz andere Richtung gibt. Es ist zwar keine 180-Grad-Wendung, aber dennoch fühlt es sich bei vielen Songs so an, als hätte Feist zwei Versionen eines Songs zusammengebaut, was ich persönlich sehr spannend und ansprechend finde. Es wirkt keinesfalls konstruiert, sondern wie eine Entwicklung.

Feist schafft es mal wieder mit ihrer engelshaften Stimme zu überzeugen und eine Atmosphäre zu kreeiren, die woanders nur schwer zu finden ist. Das Album überzeugt einerseits durch seine Experimentierfreude, anderseits durch die Konsistenz, die irgendwo in allen Songs zu entdecken ist. Ich empfehle „Pleasure“ jedem, der Spaß an starker, gefühlvoller Musik hat, bei der es nicht nur um gebrochene Herzen und Liebeskummer geht, sondern um alle Facetten der Gefühlswelt.

Highlight: Lost Dreams

Für Fans von: Florence + the Machine, Laura Marling, Bon Iver

Findest du auch, dass “Same sun, same moon” schwer einzuordnen ist? Mit wem würdest du den Sound der Little Hurricanes vergleichen? Und wie findest du die Idee, dass die Gorillaz den Gast-Künstlern die Bühne überlassen? Was meinst du zu den Kompositionen von Feist? Ich bin gespannt auf deine Meinung in den Kommentaren!

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