Jasmins Psychologie Studium an der Uni Tilburg

Mit dem heutigen Beitrag von Jasmin schließen wir die Studieren in den Niederlanden Reihe vorerst ab. Jasmin hat sich nach dem Abitur für ein Studium in Psychologie an der Universität Tilburg entschieden. In ihrem Beitrag erzählt sie dir nicht nur von den Vorbereitungen wie beispielsweise dem Sprachkurs, sondern auch, wie das Leben und das Studium an der Universität und in Tilburg selbst ablaufen.

Vor ungefähr vier Jahren fing das Grübeln über “Was mache ich nach dem Abi und wo gehe ich hin?” an, denn die letzten Prüfungen hatte ich endlich hinter mich gebracht. Ich hatte schon einen groben Plan, konnte mich aber noch nicht zwischen Medizin und Psychologie entscheiden. Darum habe ich mich nach meinem Abi im Sommer 2013 dazu entschieden, ein Jahr auszusetzen und ein Jahrespraktikum im Krankenhaus zu absolvieren. Nachdem ich nach einem halben Jahr auf einer psychiatrischen Station versetzt wurde, wusste ich sehr schnell: „Ich will Psychologin werden!“. Es gab jedoch nur ein Problem – mein NC reichte so eben nicht aus. Daraufhin meinte die Psychologin meiner Station, dass ich in den Niederlanden studieren sollte, sofern ich keine Probleme damit hätte ins Ausland zu gehen. Die Ausbildung an den Universitäten sei da sowieso besser als in Deutschland. Nach ein paar online Recherchen hatte ich mich dazu entschieden, nach Tilburg zu gehen, weil die Uni in Psychologie hoch anerkannt ist und nicht so weit von der Grenze entfernt liegt. Eine Woche später hatte ich meine Bewerbung dann auch schon abgeschickt und wenige Tage später sogar schon die Zusage im Briefkasten. Jetzt gab es nur noch ein weiteres Problem: Das Studium wurde zu dem Zeitpunkt nur auf Niederländisch angeboten! So fing das Abenteuer eigentlich erst richtig an.

DER SPRACHKURS & DIE TOP-WEEK

Einen Tag nach dem Finale der Fußball-WM im Juli 2014, hatte ich auch schon meine erste Unterrichtsstunde des „intensieve taalcursus voor Duitstaligen“ („intensiver Sprachkurs für Deutschsprachige“). Dieser Kurs wird an der sogenannten „Summer School“ der Universität Tilburg angeboten. Während der Zeit wohnen alle Kursteilnehmer zusammen in einem Studentenwohnheim nahe der Uni. Während der vier Wochen, die der Sprachkurs nur dauert, habe ich dann neben der Grammatik ca. 100-200 Wörter am Tag lernen müssen, sodass ich die Abschlussprüfungen in Lesen, Schreiben, Sprechen und Hörverstehen auch bestehen konnte. Man kann diesen Kurs zwar auch in Deutschland machen; ich rate aber jedem, es doch lieber in den Niederlanden zu machen, weil man dann 24/7 mit der Sprache konfrontiert wird und sie dann meiner Meinung nach so besser lernen kann. Nachdem ich den Sprachkurs erfolgreich beendet hatte und damit

die letzte Hürde vor dem Studium genommen war, fing die sogenannte „TOP-Week“ (Einführungswoche für die Erstsemester) auch schon an. Während dieser Woche wird man in kleine Gruppen von ca. 10 Personen eingeteilt, zu der jeweils ein TOP-Mama bzw. ein TOP–Papa gehört. Diese TOP-Mamas oder -Papas sind Studenten, welche dir die Uni und die verschiedenen Studentenverbindungen zeigen, man lernt, wo die besten Bars zum Ausgehen sind und was sonst noch lebensnotwendig ist – wie den typischen „brabantse Biercantus“! Wenn man in Tilburg studiert, muss man mindestens einmal einen Biercantus mitgemacht haben und ich sage euch, es lohnt sich wirklich! Man singt Lieder gespielt von einer Liveband mit und während des deutschen Liedes „Trink, trink, Brüderlein trink“ muss man sein Bier dann exen. Hierdurch lernt man viele neue Leute kennen und es ist wie Oktoberfest und Karneval zusammen.

PSYCHOLOGIE AN
DER UNIVERSITÄT TILBURG

Aber kommen wir jetzt doch mal zum Wesentlichen, nämlich dem Studium!
Der Aufbau ist etwas anders als in Deutschland; auch pro Universität innerhalb der Niederlande können Unterschiede auftreten. In Tilburg ist es wie folgt: Anstelle von Semestern hat man hier vier Blöcke pro Jahr, die mit den Quartalen an der Schule zu vergleichen sind. Während jedes Blocks hat man zwei/drei Fächer, in denen man dann nach acht bis zehn Wochen seine Klausuren schreibt. Nebenbei hat man dann auch noch Arbeitsgruppen um den Stoff vertiefen zu können, mit Hausarbeiten oder Präsentationen. Die Klausuren sind im ersten Jahr eigentlich immer multiple choice und danach ist es abhängig vom Fach, wie die Klausur aussieht. Welche Fächer man wann hat, wird hier von der Uni vorgeschrieben, sodass man seinen Bachelor auch definitiv in der Regelstudienzeit von drei Jahren absolvieren kann. Man muss sich also keine Gedanken darüber machen, ob man auch alle Fächer belegt hat, da man einen vorgegebenen Stundenplan bekommt. In den ersten anderthalb Jahren belegt man sowohl wirtschaftspsychologische als auch gesundheitspsychologische/klinische Fächer, sodass man einen guten Einblick in die beiden Richtungen bekommt. Danach wählt man seine Fachrichtung und bekommt dann bis zum Ende des Studiums fast nur noch Fächer, welche für die jeweilige Studienrichtung entscheidend sind (Fächer wie Statistik oder Philosophie sind dann die Ausnahme). Beispielfächer für die klinische Richtung sind Psychopathologie, Entwicklungsstörungen, „Brain and Behavior“ und Psychodiagnostik. Bei fast allen Fächern wurden die Vorlesungen und Arbeitsgruppen auf Niederländisch abgehalten; Ausnahmen gab es nur in den Fällen, bei denen der Dozent selber kein Niederländisch sprechen konnte.
Seit September 2016 ist es jetzt aber möglich, dieses Studium auch auf Englisch zu absolvieren. Aber auch hier rate ich allen Interessierten aus folgenden Gründen, das Studium lieber auf Niederländisch zu belegen: Zum einen halte ich es für sehr wichtig, die Sprache des Landes, in dem man wohnt, sprechen zu können; denn die meisten, welche hier auf Englisch studieren, haben Probleme, die niederländische Sprache im Alltag zu erlernen. Zum anderen könnt ihr nach Beendigung des Sprachkurses fast fließend Niederländisch (B2 Niveau), und der Rest erfolgt dann im Alltag durch den Umgang mit den niederländischen Freunden die ihr machen werdet. Dadurch hat man überhaupt keine Probleme, den Vorlesungen zu folgen, geschweige denn eine Klausur zu schreiben sowie den Alltag außerhalb der Uni zu bewältigen.

AKTIVITÄTEN NEBEN DEM STUDIUM

Es gibt dann auch noch einen weiteren großen Unterschied zwischen einem Studium in den Niederlanden und in Deutschland. In den Niederlanden ist es ganz normal, und sogar anzuraten, dass man neben dem Studium aktiv ist. Damit will ich sagen, dass man entweder Mitglied einer Studentenverbindung wird, man ein „bestuursjaar“ macht oder aktiv in einer „commissie“ von den verschiedenen Studentenorganisationen ist. Jetzt fragt ihr euch vielleicht: „Was ist ein „bestuursjaar“ oder eine „commissie“?“.
Innerhalb der verschiedenen Verbindungen oder Organisationen an der Uni hat man sogenannte „commissies“ (Kommissionen). Das sind kleine Gruppen, die für verschiedenste Sachen zuständig sind. Ich war letztes Jahr zum Beispiel die Vorsitzende der „Kampagne-commissie“ einer Studentenpartei (sowas wie die SV an den Schulen). Meine „commissie“ war dafür zuständig, dass die Studenten erfahren konnten, wofür die Partei, welche ich unterstützt habe, steht und dass die Wahlen im letzten Monat gut ablaufen.
Ein „bestuursjaar“ ist dann nochmal etwas anderes. Man kann das sowohl Vollzeit machen, wofür man ein ganzes Jahr das Studium unterbrechen muss und 40 Stunden die Woche mit den anderen Mitgliedern des „bestuurs“

zusammen arbeitet; oder man macht es Teilzeit (so wie ich) und arbeitet zwischen 5-20 Stunden (abhängig vom „bestuur“) in der Woche dann für das „bestuur“. Letzteres habe ich im letzten Jahr bei AIESEC gemacht. Dies ist eine weltweit agierende Studentenorganisation, welche Studenten ein Praktikum oder freiwillige Arbeit im Ausland vermittelt. Ich habe interessierte Studenten auf die Zeit im Ausland vorbereitet und dafür auch Seminare abgehalten. Desweiteren habe ich Kontakt mit den Vertretern von AIESEC im Ausland gehalten und die Studenten während des gesamten Auslandsaufenthaltes begleitet.
Das war eine intensive und arbeitsreiche Zeit, die ja parallel zum Studium lief, es hat aber auch wirklich sehr viel Spaß gemacht! Man bekommt hierdurch Freunde fürs Leben, man geht zusammen auf nationale und internationale Kongresse von AIESEC (ich war letztes Jahr in Kopenhagen), man entwickelt sich selber weiter auf professioneller und persönlicher Ebene und geht auch viel gemeinsam feiern.
Die meisten Studenten machen sowas, weil es sich sehr gut auf dem Lebenslauf aussieht. Viele niederländische Betriebe, Praxen oder selbst Universitäten, bei denen man sich für den Master bewirbt, bevorzugen Studenten, welche während des Bachelors aktiv waren.

DIE STADT TILBURG

Aber jetzt am Ende noch kurz etwas zur Stadt Tilburg und zur Universität allgemein.
Die meisten von euch kennen Tilburg vermutlich überhaupt nicht, was auch nicht verwunderlich ist. Tilburg ist eine süße kleine Studentenstadt, die im Herzen Brabants liegt. Sie liegt ungefähr eine Stunde entfernt von der deutschen Grenze. Dieses Jahr wurde meine Uni wieder zur besten Masteruniversität der Niederlande gewählt. Sie bietet 48 Masterstudiengänge in den verschiedensten Bereichen an. Aber nicht die Anzahl war hier wichtig, sondern die Zufriedenheit der knapp 12,5 tausend Studenten über die Qualität, die hier geboten wird. Das tolle an dieser Uni ist auch, dass alle Fakultäten auf einem zentrumnahen Campus liegen und dieser auch über einem Park mit einem kleinen See verfügt. Aber nicht nur deshalb hat meine Uni den „grünsten Campus“ der Niederlande, sie befindet sich direkt neben einem großen Wald. Wenn man also eine Freistunde hat, kann man entweder an einem der vielen Außenstudienplätze arbeiten oder man setzt sich mit seinen Freunden in den Park bzw. macht einen Spaziergang durch den Wald.
Ein weiterer Pluspunkt ist auch, dass Tilburg nicht so groß ist und man daher alles sehr schnell mit dem Fahrrad erreichen kann. Man kann daher also auch nachts noch nach dem Feiern mit dem Fahrrad nach Hause, ohne dass es lange dauert. So kann man auch neben dem Studium gut von dem Studentenleben genießen.

Liebe Jasmin, Dankeschön für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht!

Wir hoffen sehr, dass dir dieser Beitrag einige Infos liefern und auch Fragen beantworten konnte. Schau dir auf jeden Fall auch nochmal die anderen Beiträge in der Kategorie Studium an, um dich ausführlich über verschiedene Studiengänge, Universitäten, etc. zu informieren! Du kannst uns natürlich auch jederzeit gerne Fragen stellen oder Anregungen für weitere Beiträge geben.

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