Saras Aupair-Jahr in den USA

Du überlegst bald ein Aupairjahr zu machen? Dann könnte dieser Beitrag interessant für dich sein. Unsere heutige Co-Autorin ist Sara, eine unternehmenslustige, 24 jährige KuWi-Studentin aus Essen. Sie erzählt uns heute von ihren Erfahrungen, Höhen und Tiefen während ihres Aupairjahres in den USA. Also holt euch schnell was zum snacken dazu und dann geht es jetzt auch schon los mit dem spannenden Abenteuer „Aupair in den USA“.

Mein Aupair-Jahr in den USA. – Das beste Jahr meines Lebens?

Im Sommer 2012, direkt nach dem Abitur, hieß es für mich: Das Abenteuer USA beginnt! Warum habe ich mich für ein Auslandsjahr entschieden? Da ich mir in meiner Abi-Zeit nicht sicher war, was genau ich mit meinem Leben anfangen soll, habe ich mich dazu entschlossen ein Jahr Pause zu machen und ins Ausland zu gehen. Wohin es gehen soll, das war mir sofort klar, ins Promised Land, den USA, wo auch Verwandte von mir leben, die ich leider noch nie besuchen konnte. Nur, wie sollte ich das Jahr im Ausland finanziell stemmen? Praktikum und das beliebte Work-and-Travel sind in den USA schwierig zu organisieren, aber beim Aupair-Jahr verdient man Geld und wird von einer Agentur unterstützt. Ich mag Kinder und dazu hätte ich noch die Möglichkeit in den USA leben und zu arbeiten, das erschien mir traumhaft.

„Ich ignorierte mein Bauchgefühl.“

Nun, nach einem längeren Matching-Prozess meiner Agentur, hatte ich eine Gastfamilie gefunden, die in der Nähe von Philadelphia lebt, und zwei Kinder im Teenager-Alter hat. Am Telefon waren sie freundlich, leider etwas kurz angebunden, aber die Fotos der Familie wirkten sympathisch. Ein kleines Ziehen in der Bauchgegend sagte mir, sei vorsichtig, aber ich war überzeugt davon, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und ignorierte mein Bauchgefühl.

Im August 2012 ging es los, und ich wohnte die ersten fünf Tage in einer Unterkunft der Agentur auf Long Island, weil wir Aupairs zuerst an eine Einführungswoche teilnehmen mussten, wo uns z.B. die wichtigsten Gesetze der USA erläutert wurden. Präsentiert wurde dieser Vortrag von einem etwas korpulenterem NYPD-Policeman mit Schnäuzer, er war ein richtiges Original, der dem Klischee gerecht wurde und natürlich Donuts dabei hatte. Diese Woche war super, um erste Kontakte zu anderen Aupairs zu knüpfen und einen ersten Blick auf New York City werfen zu können.  Außerdem wurde uns die anfängliche Nervosität zum Teil genommen.

Danach ging es zu unseren Gastfamilien, in meinem Fall in einen Bus mit vielen anderen Aupairs, Richtung Pennsylvania. An der Bus Station wurde ich freundlich von meinem Gastvater und dem jüngsten Familienmitglied, dem Sohn, in Empfang genommen. Der erste Eindruck der Familie war gut, das Haus war groß, hatte einen riesigen Garten und lag wunderschön in einem ländlichen, aber auch wohlhabenden Suburb von Philadelphia. Meine Gastfamilie hatte auch zwei Hunde, 2 Boxer, vor denen ich zuerst großen Respekt hatte, die sich aber zu meinen besten Freunden entwickeln sollten.  Denn ich fühlte mich sehr, sehr einsam in meiner Gastfamilie.

Die beiden Kids waren sehr busy, denn sie hatten viele Termine, zu denen ich sie hinfuhr. Leider verweigerten sie jede Unterhaltung mit mir, offensichtlich hatten sie null Bock auf mich, egal wie sehr ich mich bemühte. Zur Krönung hatte ich, auf Befehl meiner Gastmutter, zu tun, was die Kids mir sagten. Wenn das Mädchen mir um 22 Uhr sagte: „Wasch meine Sporthose, ich brauch sie morgen!“, so hatte ich die Waschmaschine anzustellen, und dafür zu sorgen, dass die Hose am nächsten Morgen um 6.30 Uhr bereit liegt. Dass ich so nur 5 Stunden schlafen konnte, da ich am nächsten Morgen um 6 Uhr anfangen musste zu arbeiten, war unwichtig. Zum Einen erschienen mir diese Erziehungsmethoden grundsätzlich falsch, zum Anderen fühlte ich mich wie ein Sklave der Familie. Es kam nicht selten vor, dass ich tagelang mit niemandem geredet habe, und mich überfiel sehr großes Heimweh, ich war todesunglücklich. Mein einziger Lichtblick waren die Skype-Gespräche mit Familie und Freunden in der Heimat und die sehr süßen Hunde, die mir immer Gesellschaft leisteten.

Unglücklicherweise wurde ich auch noch sehr krank und geriet in eine regelrechte Ärzte-Odyssee. Ich kann darum nur jedem raten, der in die USA geht: Achte auf eine gute Krankenversicherung! Man weiß nie, was die Zukunft bringt und das „Health-Care-System“ in den USA ist, im Vergleich zu Deutschland, ein Alptraum.  Ärzte müssen dich nicht behandeln, wenn du Mitglied in einer Versicherung bist, mit der sie nicht zusammenarbeiten, und die Rechnungen sind horrendous, also enorm hoch. Viele Amerikaner haben keine Krankenversicherung, wie du sicher schon gehört hast. Ein unglaublich trauriger, unzumutbarer Missstand meiner Meinung nach. Ich hatte noch sehr viel Glück mit meiner Versicherung, die viele Kosten übernahm.

Bestimmt denkst du dir, warum ich nicht einfach mehr mit Aupair-Freunden unternommen habe, um auf andere Gedanken zu kommen und einfach mal Spaß zu haben. Obwohl ich viele nette Aupairs kennengelernt habe, war es unmöglich sie zu treffen, da ich häufig 60 Stunden pro Woche arbeiten musste, auch an den Wochenenden parat stehen musste, und außerdem sind die Entfernungen in den USA extrem. Wenn ich etwas unternehmen wollte, war ich auf ein Auto angewiesen, und musste Spritgeld an meine Gastfamilie zahlen.  Ein Viertel meines Wochenlohns floss so wieder an meine, bestimmt nicht arme, Gastfamilie zurück.

Zwar war nicht alles schlecht in den ersten Monaten in den USA, denn meine Gastfamilie nahm mich mit zum Broadway nach New York und zum familieneigenen Beach-House in Connecticut, aber diese wenigen schönen Tage und Erfahrungen konnten mich nicht über die restliche Zeit hinwegtrösten, in der ich oft einsam in meinem Zimmer im Keller saß, ignoriert wurde und manchmal angeschrien wurde, wenn ich nicht so funktionierte, wie es sich die Familie vorstellte. Im Nachhinein denke ich, dass die Familie nicht generell gemein war, aber ich habe nicht in die Familie gepasst, wir waren charakterlich zu verschieden. Abgesehen davon, war ich viel zu jung und sensibel und habe mich nicht getraut mich zu wehren und es gab viele Missverständnisse mit meiner meistens sehr gestressten Gastfamilie. Darum Augen auf bei der Suche nach einer Gastfamilie! Mach es anders als ich und hör auf dein Bauchgefühl.

„Augen auf bei der Suche nach einer Gastfamilie!“

Im Januar, also nach einem halben Jahr, entschloss ich mich schlussendlich dazu, die Familie zu wechseln. Das war mit einem enorm hohen Risiko verbunden. Laut den Richtlinien meines Visums musste ich innerhalb von 2 Wochen eine neue Gastfamilie finden, ansonsten hätte ich das Land verlassen und mein Aupair-Jahr abbrechen müssen, was ich auf jeden Fall vermeiden wollte. Schließlich war es mein Traum ein Jahr in den USA zu leben, und ich wollte mir und auch allen in Deutschland beweisen, dass ich dieses Jahr schaffen konnte! Ich dachte mir: „Das kann es noch nicht gewesen sein.“ Zum Glück hatte ich eine sehr verständnisvolle und engagierte Betreuerin vor Ort, die eine Familie in der Nähe von Chicago kannte, die zufällig ein Neues Aupair suchte. Nach einem Skype-Telefonat stand fest: diese Familie und ich, wir sind uns sympathisch. So riss ich alle Zelte in Pennsylvania ab und mein Jahr ging in Illinois weiter bzw. dort ging es erst richtig los.

Ich kann nur sagen, es war die beste Entscheidung die Familie zu wechseln. Meine zweite Gastfamilie war ein absoluter Glückstreffer! Zwar musste ich mich jetzt um vier, sehr lebendige Kinder kümmern, aber das Klima in der Familie war so angenehm, ich konnte mich nur wohl fühlen. Die letzten 6 Monate meines Aupair-Jahres waren toll. Mein Zimmer war im ersten Stockwerk, und Licht durchflutet, im Gegensatz zu meinem vorherigen Kellerloch. Ich hatte ein eigenes Badezimmer, ich wohnte zentral im Ort mit ganz vielen Aupairs in nächster Nähe, und die Betreuung der Kids war anstrengend, aber sie waren auch so niedlich und liebenswert, dass ich sie sofort ins Herz geschlossen habe. Wir hatten viel Spaß zusammen. Unter anderem haben wir an einem regnerischen Tag einen „Beach-Day“ im Haus veranstaltet oder uns auch Choreographien zu der Musik von „Der König der Löwen“ überlegt und abends vor den Eltern aufgeführt.

Kaum war ich in dieser Familie, ging es mir gut, meine Sorgen und Krankheiten wurden von der Herzlichkeit, Liebenswürdigkeit und auch Entspanntheit der Familie geradezu weggepustet. Mein persönliches Highlight und wirklich zu Tränen gerührt, hat mich eine Überraschung meiner zweiten Gastfamilie: Sie haben mit mir meinen „Half-birthday“ gefeiert! Meine erste Gastfamilie hatte meinen Geburtstag weitgehend ignoriert, und das habe ich gegenüber meiner zweiten Gastfamilie irgendwann erwähnt. Tja, das haben sie sich gemerkt und mich zum „Half- Birthday“ mit Geschenken und Torte überrascht. Die Kids haben mir extra Bilder gemalt und sich total mit mir gefreut. Die Zeit bei der Familie konnte ich komplett genießen, das Auslandsjahr entwickelte sich tatsächlich zu einer der besten Zeiten meines Lebens.

„Das Auslandsjahr entwickelte sich tatsächlich zu einer der besten Zeiten meines Lebens“

Zusätzlich hatte ich durch nun freie Wochenenden die Gelegenheit, Wochenendtrips zu machen. So bin ich spontan an einem Freitag Abend mit einer Freundin mit dem „Megabus“ von Chicago nach Nashville gefahren, wo am darauf folgenden Tag die Country Music Awards verliehen wurden. Davon ahnten wir allerdings nichts. Wir wollten uns einfach einen schönen Tag in Nashville machen, mit ein bisschen Sight-Seeing.  Aber es kam anders: unser Tag dort verwandelte sich in eine komplett verrückte Erfahrung. Wir wurden in ein Restaurant eingeladen, weil wir dem Manager aufgefallen sind, da wir Deutsch miteinander sprachen. In diesem Restaurant trat ein Gewinner von „America Got Talent“ auf, und wir bekamen, warum auch immer, ein Gratis Frühstück. Zufällig kamen wir mit dem Tour Manager von besagtem Casting-Show-Gewinner ins Gespräch, er steckte uns signierte Alben zu und wir durften den ziemlich fancy Tourbus besichtigen. In Nashville war Tag und Nacht Party, überall Kameras und wir mittendrin. Leider durften wir kein Bierchen trinken, da wir „underaged“, also jünger als 21 waren, und unser Visum nicht riskieren wollten. Trotzdem, der Tag in Nashville war wirklich einzigartig!

Daraufhin reiste ich viel. Zum Beispiel besuchte ich eine schwedische Aupair-Feundin in San Diego, und gemeinsam sahen wir uns L.A. und Las Vegas an. Am Ende meines Jahres kam meine Mama, und wir reisten gemeinsam durch die Staaten. Der Abschied zu meiner zweiten Gastfamilie fiel mir sehr schwer und ich habe wirklich Rotz und Wasser geheult, als es zum Fughafen ging. Mit meiner Mama machte ich dann Trips quer durch die Staaten und wir besuchten Verwandte in Florida und Texas, die ich bis dahin noch nie getroffen habe. Diese Reise war ein fulminanter Abschluss für mein Aupair-Jahr und ich bin sehr froh, dass ich diese 13 Monate in den USA durchgezogen habe. Ich bereue nichts an diesem Jahr und würde mich, wenn ich nochmal 19 wäre, wieder dazu entscheiden! Obwohl die ersten 6 Monate unangenehm waren, und es mir sehr schlecht ging: auch das ist eine Erfahrung, die mir keiner mehr nehmen kann und an der ich gereift bin. Die Zeit in Chicago, (übrigens meine absolute Lieblingsstadt in den USA: sehr nette und open-minded people, Kultur, Festivals, Strände, Parks, ein riesiger See und beeindruckende Architektur) hat mich für die negativen Erfahrungen entschädigt. So viel gereist, wie in dem Jahr in den USA bin ich nie wieder, immerhin 14 Staaten habe ich gesehen und ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, zu denen ich teilweise bis heute Kontakt habe.

Mit diesem Artikel habe ich dir nur einen kleinen Einblick in mein Aupair-Leben gegeben, ich könnte einen Roman über diese Zeit schreiben. All in all, kann ich sagen, dass es ein großartiges Abenteuer war, das mich, eine vormals schüchterne Person, als eine selbstbewusste und selbstständige, happy Person nach Deutschland zurückkehren ließ.

Wenn du auch überlegst, ein Aupair-Jahr in den USA zu machen, hinterlasse deine Gedanken und Fragen in den Kommentaren! Oder hast du selbst schon als Aupair in den USA gelebt und andere Erfahrungen gemacht? Berichtet mir gerne davon!

Sara

Liebe Sara, Dankeschön für deinen wirklich interessanten Aupair-Bericht! Da bekommt man gleich Reisefieber und Lust neue Kulturen kennenzulernen.

Wenn du diesen Beitrag auch interessant und hilfreich findest, dann schreib gerne einen Kommentar oder falls auch du deine Aupair-Erfahrungen mit uns teilen möchtest, dann melde dich einfach bei uns und werde selbst zum Co-Autor!

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