Studieren in den Niederlanden – Tines Erfahrungen

Da gerade die Abiprüfungen laufen und einige von euch vielleicht noch keine Ahnung haben, was sie denn nach dem Abi machen könnten, haben wir uns überlegt, eine kleine Reihe in der Kategorie „Studium“ zu starten. Es geht um das Studieren in den Niederlanden und wir haben ein paar Co-Autoren gefragt, ob sie ihre Erfahrungen mit uns teilen. Der heutige Beitrag kommt von der lieben Tine und handelt von ihrem Studium in der niederländischen Stadt Breda.

Vor mittlerweile über drei Jahren hat es mich nach Breda in den Niederlanden gezogen. Seitdem bin ich stolzer Student der NHTV University of Applied Sciences. Ich bin 22 Jahre alt und komme gebürtig aus Ahaus. Mein Abitur habe ich an der Bischöflischen Canisiusschule in Ahaus absolviert. Danach hat es mich allerdings direkt weggezogen aus Ahaus. Ich bin ein großer Fan von allen Dingen, die man draußen machen kann. Seit meinem Auslandsaufenthalt in Schweden kann ich nicht genug vom Wandern, Klettern, oder generell der Natur bekommen. Sport ist meine große Leidenschaft. Volleyball, Fitness und Wandern sind meine Favoriten, aber generell bin ich für jeden Sport zu begeistern.

Unser Nachbarland die Niederlanden
So nah dran und doch so anders

Als ich mich vor drei Jahren entschied, mein Studium in den Niederlanden zu beginnen, anstatt an einer der Deutschen Hochschule, dachte ich mir „Was kann schon groß der Unterschied sein? Holland ist ja doch nicht viel anders als Deutschland“. Abgesehen von den relativ hohen Studiengebühren von ca. 2000 Euro pro Semester gibt es aber doch sehr viele Unterschiede. Nicht nur Unimäßig, sondern auch kulturell. Es zog mich nach Breda. Eine sehr schöne, gemütliche und ausgelassene Studentenstadt, gelegen in Nord-Brabant.

Sobald ich mich in den Niederlanden niedergelassen hatte, hat sich dieses wohlige Gefühl von Heimat bei mir eingestellt. Alles war schön, gemütlich und jeder war zufrieden. Einfach ‚gezellig‘, wie die Holländer so schön sagen. Holländer haben diese lässige und relaxte Einstellung, dass letzendlich immer alles gut wird. Obwohl Holland nun nicht vor wunderschönen Berglandschaften trotzt, gibt es viele wunderschöne Städte und Plätze. Nach drei Jahren habe ich schon Einiges gesehen, aber bin mir sicher, dass ich noch nicht einmal die Hälfte von all den schönen Stellen entdeckt habe. Alles ist sehr flach hier, was super vorteilhaft für die Menschen ist, die gerne Fahrrad fahren, aber sich nicht anstrengen wollen.

Es gibt viele und vor allem riesige Wälder. Von dem Meer und den Sanddünen muss ich wohl gar nicht erst anfangen. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt. Generell hatte ich immer das Gefühl im Urlaub zu sein, sobald ich das Haus morgens verlassen habe. Obwohl man damals oft in Holland Urlaub gemacht hat, habe ich nie das Gefühl gehabt, dass ich mich an die Aussichten gewöhne. Wenn ich nun jeden Morgen an der Kracht, den kleinen Flüssen, durch die Stadt zur Uni fahre, sind direkt alle Sorgen vergessen. Bei Wind und Wetter siehst du genauso viele Holländer auf dem Fahrrad, wie bei Sonnenschein. Was will man mehr? Dann ist man wenigstens nicht die Einzige, die bei Regen zur Uni muss. Dort gibt es so gut wie keine Ausreden, um das Fahrradfahren zu vermeiden. Nicht mal wenn Schnee liegt (was nicht häufig passiert). Überall gibt es speziell angelegte Fahrradwege für die Fahrradfahrer, was jede Fahrt um einiges entspannter macht. Achso, ein Tipp am Rande. Fahrradfahrer haben immer Vorfahrt! Egal, was die restlichen Strassenregeln sagen. Wenn du auf dem Fahrrad sitzt, bist du der King.

Die Uni startete im September und ging direkt volle Fahrt los, was ich nicht erwartet hatte. Nach der Einführungswoche, wo hauptsächlich Trinken und Feiern im Vordergrund standen, ging es direkt zur Sache. Ein Projekt nach dem Anderen, eine Beurteilung nach der Anderen und die ersten Klausuren standen schon vor der Tür. Im Vergleich zu Deutschland finde ich das Schulsystem hier in Holland defintiv besser. Man schreibt alle zwei Monate seine Klausuren. Das hat für mich und auch für dich den Vorteil, dass man sich von Anfang an konzentrieren muss. Zwei Monate sind schneller rum, als es vielleicht klingt. Anderes System, andere Klausuren und das erste Mal zusammenarbeiten mit Studenten verschiedener Herkunft. Dies war auch für mich der erste richtige Kontakt mit anderen Kulturen. Im Bezug auf die Klausuren, bin ich nicht besonders glücklich. Die meisten Klausuren sind „multiple choice“ Klausuren. Das heißt, du darfst wie wild ankreuzen. Bei 60 Fragen darfst du dein Glück beim Raten ausprobieren. Es dauert einige Zeit, sich an das Englische zu gewöhnen. Man hat ja vorher doch nicht so viel Englisch gesprochen und beherrscht es auch eigentlich gar nicht (trotz Englisch LK) bis man in einer Umgebung lebt, wo man keine andere Wahl hat, als Englisch zu sprechen .

Einziger Bonus für Deutsche ist, dass jeder Holländer dich gerne in deiner Projektgruppe haben will. Deutsche sind ja so zielstrebig und gut organisiert. Es dauert allerdings nicht lange, bis man sich an dieses Prinzip des Lernen, den Unterricht oder die Sprache gewöhnt hat. Die ganzen Projekte die man machen muss, sind zwar zeitaufwändig und ehrlich gesagt auch nervig, aber extrem hilfreich. Alle Projekte basieren auf echten Projekten. Das gibt einem das Gefühl, dass man wirklich für etwas arbeitet und nicht einfach Luft und Liebe auf ein Papier schreibt, um das Projekt zu bestehen. Im Vergleich zu Deutschland hast du an holländischen Unis eine Klasse, wie in Deutschland üblich an Haupt, Realschule und Gymnasium. Du hast verschiedene Lehrer für verschiedene Fächer und einen sogenannten Supervisor, der als Mentor fungiert. Die Anwesenheitspflicht und der Unterricht geben einem den nötigen Druck zu jeder Unterrichtsstunde zu kommen.

Freizeitgestaltung
in Breda

Neben der Uni, war es sehr einfach neue Leute kennen zu lernen, Sachen zu unternehmen oder einfach mal in Ruhe abzuhängen. Breda ist eine wunderschöne Stadt, genauer gesagt Studentenstadt. So viele verschiedene Nationalitäten, wie in Breda habe ich noch sonst nirgendwo angetroffen. Es ist wie der Himmel für neugierige und lebensfreudige Studenten, die nicht genug davon bekommen, andere Menschen kennenzulernen. Jedes Wochenende gab es etwas Besonderes: ein Event, ein Festival, eine riesen Party, einen Foodmarkt und so weiter. Niemals wird es langweilig. Abgesehen von den Wochenenden, hält man sich auch unter der Woche sehr häufig in der Stadt auf. Feiern geht ja nicht nur am Wochenende. Von Anfang an lebt man in einem Umfeld mit vielen Nationalitäten. Dies lässt einem eigentlich keine andere Wahl, als super aufgeschlossen und abenteuerlich zu sein. Die vielen Dinge, die man erlebt und zusammen unternimmt schweißen einfach zusammen. Neben den ganzen Trips, die man als Gruppe macht, wird dir auch extrem viel von der Uni selbst angeboten. Neben Ausflügen, die einfach zum Uniprogramm zählen gibt es endlose Studentenorganisationen, die dich mit Reiseangeboten totschmeißen. Wenn man also genug Zeit und Geld hat, ist hier alles möglich!

Liebe Tine, vielen Dank für deinen tollen Erfahrungsbericht! Wir finden ihn sehr spannend und toll geschrieben.

Wenn du Tines Bericht auch so hilfreich findest wie wir, dann besuche doch mal ihren Instagramaccount! Außerdem kannst du dich noch auf einige weitere Erfahrungsberichte zum Thema „Studieren in den Niederlanden“ freuen. Schau in den nächsten Tagen gerne regelmäßig vorbei!

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