Studieren in NL – Noras Erfahrungen an der Universität Twente

Kommunikationswissenschaften an der Universität Twente in den Niederlanden studieren – wie ist das eigentlich? Nora ist 25 Jahre alt, verreist gerne und zwar am liebsten nach Amerika, liebt es in ihrer Freizeit zu tanzen und würde gerne mehr schreiben, weshalb das Co-Magazine die perfekte Plattform für sie zum Ausprobieren darstellt. Wie du dir wahrscheinlich schon denken kannst, studiert Nora KoWi an der Uni Twente und hat uns heute einen spannenden Einblick in ihr Studium und die verschiedenen Fächer mitgebracht. Wir finden ihren Artikel sehr gelungen und sind begeistert von ihren Schreibkünsten! Wenn du dich auch im Bereich Bloggen ausprobieren möchtest, dann melde dich immer gerne bei uns!

ABI – UND JETZT?

Studium in Holland – ja oder nein? Mit dieser Frage habe ich mich anfangs sehr schwer getan. Da ich in der Nähe der niederländischen Grenze wohne, war mir durchaus bewusst, dass es die Option gibt, in den Niederlanden zu studieren, wo die Studiengänge oftmals zulassungsfrei sind und allgemein als praxisorientierter gelten. Allerdings hört man auch oft, dass niederländische Hochschulen der „Parkplatz für Deutsche mit schlechtem Abitur“ sein sollen; das schreckte mich natürlich ab – da will man doch nicht hin?!

Um ein für mich passendes Studium zu finden, habe ich nach dem Abitur viel recherchiert und bin auf Bildungsmessen gegangen. Dort waren neben sowohl öffentlichen als auch privaten Unis aus Deutschland auch diverse niederländische Unis vertreten. Da die Studiengänge, die mich interessierten (Marketing, Kommunikationswissenschaften, Wirtschaftspsychologie etc.) in Deutschland allerdings wirklich mit einem sehr hohen NC versehen waren/sind oder von Privatschulen angeboten werden, konnte ich die Niederlande nicht direkt als Option streichen und nahm mir auch von einigen niederländischen Unis Infomaterial mit.

Je mehr ich die Broschüren durchblätterte, freundete ich mich mit dem Gedanken an, in die Niederlande zu gehen. Letztendlich hat mich tatsächlich ein Erfahrungsbericht eines KoWi Studenten in der Broschüre der Universität Twente überzeugt. Ich hatte den Eindruck, dass in dem Studiengang aktuelle Entwicklungen, beispielsweise im Bereich Social Media, direkt mit aufgegriffen werden, was mir sehr wichtig war und so wusste ich schon beim Lesen – dieses Studium soll es sein! Die Zweifel bezüglich Holland waren vergessen und ich war optimistisch, dass ein praxisorientierter Studiengang für mich persönlich die bessere Wahl ist. Im September 2012 ging es dann also los mit meinem Bachelorstudium in Kommunikationswissenschaften an der Universität Twente in Enschede.

STUDIEREN AN DER UNIVERSITÄT TWENTE

Natürlich kann man sich auch in Holland nicht ganz vor der Theorie und Statistikfächern drücken, aber viele Projekte zwischendurch haben das Ganze etwas aufgelockert. Wir haben zum Beispiel Broschüren selber gestaltet oder ganze Werbekampagnen entwickelt. Zwei „noch praktischere“ Projekte, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, möchte ich euch jetzt noch einmal genauer vorstellen:

Im zweiten Jahr hatten wir ein Fach „corporate communication“ in dem es, wie der Name schon verrät, um die interne und externe Unternehmenskommunikation ging. In kleinen Gruppen sollten wir jeweils eine PR Agentur „gründen“, mit Namen, Logo usw. (An dieser Stelle liebe Grüße an meine Kollegen von Individoel ;-)). Wir bekamen einen Case und haben uns in regelmäßigen Abständen mit unserem Dozenten, dem „Auftraggeber“, getroffen. Zu Anfang hat er uns das Problem geschildert und nach und nach haben wir im Team gemeinsam eine Lösung entwickelt und daraufhin den Auftraggeber beraten, wie am besten mit der Situation umzugehen ist.

Es war nicht immer ganz einfach die Uni auszublenden und den Dozenten nicht als Dozenten, sondern Auftraggeber oder Kunden zu sehen, aber insgesamt war das eine spannende Aufgabe. Man konnte einen guten Eindruck davon bekommen, was „Unternehmensberatung“ beinhaltet und auch wie hartnäckig manche Kunden sein können.

Das Highlight war aber eigentlich eine simulierte Pressekonferenz am Ende des Quartals (In Holland sind die Studienjahre in Quartale und nicht Semester unterteilt). Es gab wieder einen Case (Eine Halle, in der Schadstoffe gelagert werden ist abgebrannt; irgendwie so etwas war es) und wir mussten dazu Stellung nehmen. Die Dozenten sind hier in die Rolle der Reporter geschlüpft und haben uns ordentlich auf den Zahn gefühlt. Das war natürlich noch mal etwas nervenaufreibender, aber gleichzeitig war es cool durch dieses Rollenspiel einmal „mitzuerleben“, was in einer solchen Krise oder Extremsituation von den Kommunikationsexperten gefordert wird.

Eine ähnliche Übung, allerdings noch etwas „echter“, hatten wir parallel in einem anderen Fach in dem es allgemein um Medien ging. Auch hier erhielten wir wieder einen Case, den wir in kleinen Gruppen bearbeiten sollten. Anschließend wurde einer aus jedem Team ausgewählt, der genau wie in der Pressekonferenz Stellung zu dem Thema nehmen sollte. Dieses Mal allerdings in einer Talkshow. Dafür kam tatsächlich extra ein Kamerateam samt Equipment und erfahrenem Fernsehmoderator an die Uni. Das Ganze wurde also professionell gefilmt und anschließend wurden alle Fernsehinterviews vor dem Kurs gezeigt und gute und schlechte Aspekte besprochen. Aus meinem Team war ich diejenige, die ausgewählt wurde, worüber ich zuerst so gar nicht glücklich war. Auf dem „heißen Stuhl“ zu sitzen ist die eine Sache, das Ganze aber auch noch filmen und anschauen zu müssen – Da war ich zu dem Zeitpunkt kein so großer Fan von ;).

Was sich in der Situation selber und vor Allem beim Besprechen der Videoaufnahmen schrecklich und unangenehm angefühlt hat, ist jetzt im Nachhinein wieder eine tolle Erfahrung die ich sammeln konnte und ich bin froh, dass ich damals diese Chance bekommen hab und Feedback von Profis aus der Praxis bekommen konnte.

Wenn ich jetzt, fast am Ende meines Masterstudiums, auf die letzten Jahre zurückblicke fällt mir besonders eins auf: Sicher gehen viele Leute, vor Allem auf Grund der hohen NCs an deutschen Unis, für ihr Studium in die Niederlande. Ich finde es aber dennoch falsch die Niederlande bzw. niederländische Universitäten als Parkplatz für Leute mit schlechtem Abitur zu bezeichnen, denn egal aus welchen Gründen man sich für ein Studium in den Niederlanden entscheidet –  ich habe eher den Eindruck, dass es einem tolle Möglichkeiten eröffnet, oder was ist Eure Erfahrung?

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