Lauras Informationen zum Studium in NL

Allgemeine Informationen zum Studium in den Niederlanden sind sicherlich sehr interessant für all diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, in unserem Nachbarland zu studieren. Aus diesem Grund teilt Laura heute ihre Erfahrungen und Informationen rund ums Einschreiben, dem generellen Studienablauf und Studienaufbau an der Universität Twente mit dir. Laura macht gerade ihren Master in Communication Studies an der Uni Twente und hat bereits früher tolle Beiträge zum Thema Musik für uns geschrieben. Schau dort auch unbedingt noch vorbei!

STUDIUM IN NL –
WIE KOMMST DU DENN DORT ÜBERHAUPT REIN?

Die Niederlande sind sehr beliebt bei deutschen Studenten. Das liegt vor allem daran, dass ein angehender Student keinen Numerus Clausus an den Hochschulen und Universitäten unserer Nachbarn vorweisen muss. Doch wie genau funktioniert denn dann das Auswahlverfahren und Einschreiben? Das wird dir in diesem Artikel an dem Beispiel der Universiteit Twente aus Enschede erklärt.

ABITUR – UND WAS NOCH?

Wer sich an der Universiteit Twente einschreiben will kann mit Hilfe einer Step-by-Step – Anleitung einen Punkt nach dem anderen abarbeiten und ist am Ende schnell und einfach an der Uni Twente eingeschrieben. Wichtig dabei ist natürlich, dass man die Hochschulreife erlangt hat. Zu dem Zeitpunkt an dem du dich wahrscheinlich einschreiben willst- das gilt vor allem für den in Deutschland sehr beliebten Studiengang Psychologie – bist du zwar noch nicht fertig mit den Abiturprüfungen und hast dementsprechend noch kein Zeugnis parat, aber das ist gar nicht schlimm. Studielink.nl sagt dir ganz genau was du beachten und machen musst. Sobald du dann dein Abiturzeugnis in den Händen hältst kopierst du es ganz einfach und schickst es ein. Solange das vor dem Start Anfang September passiert ist alles in Ordnung. Allerdings ist wichtig, dass jeder angehende Student Mathe und Englisch bis zum Abitur belegt hat. An vielen Schulen ist es gar nicht möglich, eins der beiden Fächer überhaupt abzuwählen, dennoch gibt es immer Ausnahmen. Von großer Bedeutung hierbei ist, dass die beiden Fächer nicht zwingend als Leistungskurs oder Abiturfach belegt werden mussten, es reicht, beides als Grundkurs in der Schulzeit gefolgt zu haben – allerdings bis zum Ende der 13. (G9) beziehungsweise 12. Klasse (G8).
Wer allerdings etwas technisches oder naturwissenschaftliches an der Universiteit Twente studieren möchte, für den ist, je nach Studiengang, wichtig, dass er Biologie, Physik, und/oder

Chemie in der Oberstufe belegt hatte. Wenn du nicht zufällig auf einem naturwissenschaftlichen Gymnasium eingeschrieben warst, dann ist es eher ungewöhnlich, alle drei Fächer in der Oberstufe belegt zu haben. Doch auch dafür gibt es eine Lösung: Das sogenannte Colloqium doctum. Dieses ist eine Art Zusatzaufgabe, die vor Studienbeginn für den angehenden Studenten eines technischen oder naturwissenschaftlichen Studienganges anfällt, wenn er eins oder mehrere der drei Pflichtfächer nicht belegt haben sollte während seiner Oberstufenzeit. Hierbei wird der angehende Student mit einem Dozenten des betreffendes Faches in Verbindung gebracht und bekommt Literatur und eine Aufgabe. Ziel der Übung ist es, dass der angehende Student dem Dozenten zeigt, dass er ein gewisses Grundverständnis in dem fehlenden Fach aufweisen kann und sich selbstständig die angeforderten Inhalte beibringen und die Lösung finden kann. Diese Aufgaben sind nicht sehr anspruchsvoll, aber man darf sie auch nicht unterschätzen. Die Universität möchte damit einerseits  erreichen, dass angehende Studenten nicht aufgrund der Strukturen und Einschränkungen im Fächerwahlbereich ihrer Schule vom potenziellen Studium an der Universiteit Twente ausgeschlossen werden, gleichzeitig will die Uni sicherstellen, dass in den Studiengängen keine Studenten sitzen, die mit dem Stoff nichts anfangen können. Doch das wird in allen Studiengängen der Universiteit Twente auch noch durch eine andere Regel gewährleistet.

BSA – WAS IST DAS DENN?

Da du bei einem Studium an der Universiteit Twente um den Numerus Clausus herumkommst, kannst du, wenn du die Aufnahmebedingungen je nach deinem gewählten Studiengang erfüllst, mit dem Studium beginnen. Das war es schon, dann ist man drin in der Universiteit Twente in Enschede! Jeder Bewerber bekommt also einen Studienplatz. Allerdings schafft es nicht jeder Student ins zweite Studienjahr. Das liegt an der Bindenden Studienempfehlung (BSA). Die BSA besagt, dass jeder Student, unabhängig vom Studiengang, 45 der 60 European Credit Points (ECs) im ersten Jahr einholen muss. Anders gesagt, muss ein Student drei Viertel der Kurse des ersten Jahres bestehen, um in das zweite Jahr zu gelangen. Das hört sich erstmal nach sehr viel Arbeit an, aber sollte dich auf keinen Fall abschrecken. Wichtig zu wissen hierbei ist, dass sowohl die Uni als auch du als Student einen Nutzen aus der BSA ziehen: Du erkennst, ob dein Studium die richtige Wahl ist, ob es dir liegt und ob es dir Spaß macht. Die Uni vermeidet so Langzeitstudenten und das Studienplätze dadurch blockiert werden, denn nur die Studenten die wirklich Lust, Spaß und Erfolg im Studium haben, kommen weiter ins zweite Studienjahr.

Natürlich kann jederzeit etwas dazwischen kommen, dass das intensive Lernen und Arbeiten eines Studenten einschränkt – Krankheit, Trauerfall in der Familie, oder andere persönliche Probleme. Falls es also knapp werden sollte mit der 45-Punkte-Marke, kannst du jederzeit ein persönliches Gespräch mit deinem Studienbegleiter vereinbaren und über deine Situation reden. So werden auch Studenten ins zweite Studienjahr gelassen, die nicht die BSA erfüllen, da diese nachweislich durch äußere, nicht-kontrollierbare Umstände beeinträchtigt wurden.

MODULE STATT SEMESTER

Die eben bereits erwähnten 60 Punkte, die in jedem Studienjahr vergeben werden (sodass du am Ende deines Bachelor-Studiums auf 180 Punkte kommst, wie es in der ganzen EU der Fall ist) können auch in Modulen ausgedrückt werden. So gliedert sich ein Jahr in vier Module, beziehungsweise in vier Quartale, die je zwei bis drei Kurse umfassen. Diese Kurse sind aufgeteilt in theorie- und praxisbezogene Fächer, sodass die Studenten direkt die Verbindung der beiden Komponenten erkennen und später besser anwenden können. Wer ein Modul besteht, bekommt 15 ECs gutgeschrieben. Dabei ist es egal, ob die Kurse der Module exzellent oder knapp bestanden sind, die Punkte zeigen nur an, dass ein Kurs bestanden ist, nicht wie gut.  Wer also ein Modul im ersten Jahr nicht besteht, kann trotzdem noch auf die 45 Punkte für das Erreichen der BSA kommen. Die Kurse aus den einzelnen Modulen, die über die Jahre des Studiums nicht bestanden werden, können zu festgelegten Wiederholungsterminen, meistens kurze Zeit nach den ersten Prüfungen, wiederholt werden. Allerdings gilt: Punkte gibt es nur,

wenn ein Modul, also alle Kurse aus diesem Modul, bestanden sind. Dabei ist wichtig in Quartalen zu rechnen. Denn während in Deutschland eine Prüfung erst am Ende des Semesters stattfindet, gibt es an der Universiteit Twente regelmäßige Prüfungen. Das heißt, dass in der Zeit in der ein Modul läuft (ca. 10 Wochen), je nach Art und Weise der jeweiligen Fächer, schon in den ersten Wochen kleine Tests, Präsentationen, Hausarbeiten, oder auch Klausuren stattfinden. Dieses System hat den Vorteil, dass die Studenten am Ball bleiben und regelmäßig lernen und ihr Wissen abrufen müssen. Auch wenn das sehr mühsam und fordernd erscheinen mag, ist es eine innovative und gleichmäßige Art des Lernens. Wer in Deutschland studiert, muss eventuell mehrere Klausuren in einer Woche schreiben – und das Wochen oder Monate nachdem der Kurs bereits vorbei ist. Studenten aus Twente schreiben ihre Prüfungen zu dem Zeitpunkt, zu dem sie noch intensiv im Thema stecken. Und wenn nach zehn Wochen das Modul beendet ist, kommen auch keine Prüfungen mehr zu dem Thema auf die Studenten zu.

STUDIENGEBÜHREN? GANZ NORMAL

Zum Abschluss noch etwas auf den ersten Blick weniger erfreuliches: Wer in den Niederlanden studieren möchte, muss Studiengebühren bezahlen. Diese belaufen sich pro  Jahr (!) auf ungefähr 2000€. Verglichen mit einem Studium an einer deutschen Universität ist das natürlich horrend, allerdings ist auch das Studieren in den Niederlanden anders. Die Universiteit Twente legt sehr viel Wert darauf, dass jeder Cent der Studenten direkt wieder investiert wird, sodass die technologischen Einrichtungen der Uni immer modernisiert und aktualisiert werden. Wer an der Uni Twente studiert, finanziert sich selbst, denn die modernen und sauberen Gebäude auf dem Campus und die technologischen und naturwissenschaftlichen Geräte und Instrumente werden immer auf dem neuesten Stand gehalten. Außerdem sind sich auch die Dozenten und Berater der Universiteit darüber im Klaren, dass die Studenten und die Uni in einem Dienstleistungsverhältnis stehen, sodass sich diese immer Zeit nehmen für die Sorgen der Studenten.

Des Weiteren wissen die Uni und der Staat der Niederlande, dass 2000 Euro sehr viel Geld sind, sodass jeder Student die Möglichkeit hat, die Gebühren in fünf Raten pro Jahr abzubezahlen. Außerdem können Studenten Auslands-BAföG beantragen, das heißt, dass nicht nur Studenten, die in Deutschland studieren Bafög bekommen, sondern auch Deutsche, die sich dazu entschließen, in die Niederlande zu gehen.  Dieses ist, wie das Inlands-BAföG, abhängig vom Einkommen der Eltern und kann somit stark schwanken.

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