Die Tickets Bar in Barcelona: Abenteuer Sterneküche

Nils und Theresa waren im April in Barcelona unterwegs und haben das Abenteuer Sterneküche gewagt. Heute liest du hier Nils‘ Erfahrungsbericht mit jeder Menge visuellen Eindrücken. Warnhinweis: Dieser Artikel liest sich schlecht auf leeren Magen. Hungergefahr!

Seit zig Jahren sind sie Teil des täglichen Fernsehprogramms. Ein Stern, zwei Sterne, vielleicht mal drei. Als Juroren in den Kochshows, die wir alle kennen, oder in so wunderbaren Produktionen wie Chef‘s Table auf Netflix: Spitzenköche. Ich war immer fasziniert, habe mich aber auch immer gefragt, wie viel Show das eigentlich ist. Ob die wirklich so viel besser kochen als der Rest.

Im April bin ich mit Theresa für ein paar Tage nach Barcelona geflogen, über meinen Geburtstag. Und weil Barcelona für seine frische, experimentelle und exklusive Restaurant-Szene bekannt ist, wollten wir es mal ausprobieren. Sternerestaurant. Molekular-Küche. Manche würden für das Geld bestimmt lieber zu einem Konzert von Coldplay oder Rihanna gehen. Die waren aber gerade nicht in der Stadt.

Die Tickets Bar in Barcelona:
unerwartet anders

Nori and Potato Cube
Würfel aus knuspriger Kartoffel mit Thunfisch-Bauch-Tartar und leicht scharfer Sauce

Unsere Wahl fiel auf das Tickets, eine Tapas-Bar, aktuell auf Platz 25 der World‘s 50 Best Restaurants und dekoriert mit einem Michelin-Stern. Think big, ist klar. Eröffnet Anfang 2011 von Albert Adrià und seinem Bruder Ferran. Die Namen hat man vielleicht schon einmal gehört: Die beiden führten über Jahrzehnte das legendäre elBulli an der Costa Brava, das bis heute als Geburtsort der Molekular- und Avantgarde-Gastronomie gilt. Das 3-Sterne-Restaurant galt bis zur Schließung 2011 als bestes der Welt und war angeblich mit über 2 Millionen Anfragen über Jahre ausgebucht.

Im Tickets wollen die Adriàs ihre ausgefallene Küche für jedermann zugänglich machen. Trotzdem muss man natürlich rechtzeitig reservieren. Die Tische werden immer genau zwei Monate vorher um Mitternacht online freigegeben. Ich musste mir einen Wecker stellen. 10 Minuten später war kein Platz mehr frei. Irre.

Olive
Sphäre mit Olivenessenz, die beim Zubeißen platzt.

Türkische Pizza
Mit Anchovi, Stracciatella (Käse) und Pesto-Staub (gefriergetrocknet)

Mini Airbag
Mit Manchego-Käseschaum gefüllt, mit Haselnussöl-Kaviar

Airbaguette
Mit Rubia Gallega Fleisch

Als der große Tag gekommen war, waren Theresa und ich natürlich aufgeregt. Wie benimmt man sich in einem Sternerestaurant? Wie ist die Atmosphäre? Es war ja eine Premiere für uns. Dass es keinen Dresscode gibt, hatten wir gelesen.

Umso faszinierter waren wir dann: Mit unglaublich viel Liebe zum Detail ist das Tickets aufgemacht wie ein altes Kino oder Theater, mit Kitsch, mit Leuchtschildern und Klapptischen. Die unheimlich vielen Service-Leute tragen rot-goldene Theater-Uniform. Wir wurden zu unserem Platz auf einer kleinen Bank am weißen Tresen geführt. Ungewöhnlich, nicht an einem Tisch, aber irgendwie cool. Hinter dem Tresen hatten wir freien Blick auf die Küche, in der ein Haufen sicher hochtalentierter Köche in den letzten Vorbereitungen für den Abend steckte.

Crunchy Nigiri
Mit geflämmter Aubergine und Soja-Perlen

Nordic Landscape
Knuspriges, dunkles Brot mit mariniertem Kuhfleisch, geräuchertem Frischkäse und Essig-Pulver

Avocado Ravioli
Gefüllt mit Krabbenfleisch, Chipotle und Chiasamen

Esparagus Trunk
Auf Süßholzstock mit Spargelbutter und Lakritz

Eine nette Dame in Oldschool-Kino-Kostüm begrüßte uns und ging mit uns das Menü durch. Sie hat sich alles notiert, was wir gern mal testen wollen. Tapas halt: viele kleine Häppchen. Bei den meisten Dingen hatten wir aber keine Ahnung, was uns erwartet. Wir wollten aber ja offen sein. Die Reihenfolge der Gänge hat sie dann für uns festgelegt. Alternativ hat man auch die Möglichkeit, sich komplett überraschen zu lassen.

Dann ging es los. 18 Gänge, davon 5 Desserts. Dazu gleich mehr. Keine Pausen. Zu jedem Gang eine Erklärung. Was ist das genau, wie isst man es richtig? Mit den Fingern, dem Löffel, der Pinzette? One bite, two bites? Für jeden einzelnen Gang ist das, wegen der Zusammenstellung der Zutaten und Texturen, genau festgelegt. Dazu haben wir übrigens Craft Beer getrunken, das Ferran Adrià zusammen mit den Braumeistern von Estrella Damm unter der Marke Inedit rausgebracht hat. Trinkt man aus Weingläsern. Sehr, sehr lecker.

Mitteault Foie
Geröstetes Brot, Gänseleber mit geräuchertem Aal

Bean Balls
Bällchen aus grünen Bohnen, gefüllt mit Perol Wurst, mit Schinkenbrühe und Minze

Crunchy Octopus
Mit leicht scharfer Kimchi Mayonnaise und eingelegten Gurken

Crunchy Suckling Pig Taco
Spanferkel mit Hoisin Mayonnaise und Gurke

Ein eigener
Dessertraum

So viele Dinge, die ich so noch nie gegessen habe! Und jeder einzelne Gang war für sich ein Highlight. Als wäre das nicht genug Show und Spektakel kommt die nächste Überraschung, wenn man zu den Desserts wechseln möchte. Aufstehen, Raumwechsel. Man wird geführt in ein kleines Nebenzimmer, durch einen Vorhang in die Welt von Willy Wonka. Kein Witz. Riesige Erdbeeren, Kirschen und Zuckerstangen an der Decke, auf diversen Bildschirmen laufen Szenen aus dem Film. Abgefahren, ein eigener Dessert-Raum.

Die Desserts selbst waren noch abgefahrener. Wir saßen wieder an einem Tresen und konnten die Patissiers bei der Arbeit beobachten. Wieder super-filigran mit ihren feinen Pinzetten.

The Rose
Litschi- und Himbeer-Sphäre mit Rosenwasser-Gelatine

Tickets‘ Cork
Kaffee-Biskuit-Rolle gefüllt mit Schokoladenmousse

Cremiges Schokoladentörtchen
Mit Passionsfrucht und Haselnusseis

Tickets‘ Baklava
Filo-Teig gefüllt mit Sahnefüllung, Pistazie und Orangen-Blütenhonig

Tickets‘ Cheesecake
Weiße Schokolade gefüllt mit herzhaft-süßer Käsecreme

Ich hätte es nicht gedacht, aber nach über zwei Stunden Häppchen, sehr oft nur ein Bissen oder weniger, waren wir pappsatt. Und glücklich! Ein unglaubliches Erlebnis, für das sich das umständliche Reservieren auf jeden Fall lohnt. Und auch der Preis. Ganz ehrlich? Ich dachte, es würde noch teurer. Zwischendurch verliert man auch etwas den Überblick, wo man gerade steht. Am Ende waren es, mit Getränken und Trinkgeld, für uns beide zusammen 200 Euro. Wie gesagt, dafür geht man manchmal auch zum Konzert. Und nichts anderes ist ein Besuch im Tickets.

Wir würden es wieder tun. Nicht oft. Ist nicht normal, und das darf es auch nicht werden, finde ich. Selbst wenn man es sich leisten könnte. Aber ab und zu, wenn man mal etwas wirklich Außergewöhnliches erleben will, mit neuen Geschmäckern, Gerüchen und Gefühlen, oder weil man etwas zu feiern hat. Dann ist es das auf jeden Fall wert.

Nils

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