Lieber Papa… Vatertag 2017

Zum diesjährigen Vatertag möchte ich ein paar sehr persönliche Dinge und Geschichten mit dir teilen.
Mit diesem Beitrag möchte ich dich daran erinnern, wie kostbar die Menschen in deinem Leben sind und wie schnell die Zeit vergehen kann. Und wie schnell man sich wünscht, man hätte mehr Zeit miteinander gehabt und einem Menschen, den man liebt genau das viel öfter gezeigt und viel öfter Zeit mit demjenigen verbracht.
Heute teile ich meine Geschichte mit dir, welche mir all diese Dinge auf schmerzliche Art und Weise bewusst gemacht hat. Und weswegen ich mir manchmal wünschte, die Zeit zurück drehen zu können. Ich möchte gar nicht viel mehr sagen, denn ich denke der folgende Text spricht für sich und du wirst merken, was ich dir damit sagen möchte.

When the light begins to shine & I hear those ancient lullabies… bit by bit I’ve realized: That’s when I need them. That’s when I need my fathers eyes. – Eric Clapton

Lieber Papa,
manchmal sitze ich hier und frage mich, wie die Zeit so schnell vergehen kann. Ich frage mich, wieso du nicht mehr Zeit hattest – wir nicht mehr Zeit hatten. Und wieso ich die, die ich mit dir hatte nicht besser genutzt habe. Vor fast genau zwei Jahren, am Vatertag 2015, nahm das Schicksal seinen schrecklichen Lauf. Niemals hätte ich auch nur ansatzweise gedacht, dass dir sowas passieren könnte. Ich hatte mich nie mit dem Gedanken auseinander gesetzt, wie ich ohne dich klar kommen würde. Hab dich immer irgendwie als selbstverständlich gesehen. Vielleicht ist es so, dass man auf schmerzliche Art und Weise lernen muss, dass die wichtigsten Menschen deines Lebens eben alles andere als selbstverständlich sind. Dass man jeden Moment genießen muss, weil es so schnell vorbei sein kann.

Ich kann mir nichts schlimmeres vorstellen, als den Menschen den man am meisten liebt so hilflos zu sehen. Zu sehen, dass du nicht ohne maschinelle Hilfe atmen konntest, zu wissen, dass du nie wieder du selbst sein wirst.

Es war und ist schwer, ohne dich den richtigen Weg zu finden. Ohne dich klar zu kommen. Schon seit ich auf die Welt gekommen bin warst du mein absoluter Lieblingsmensch. Du warst mein Held. Mein Vorbild. Mein ein und Alles. Und ich kann nicht ansatzweise in Worte fassen, wie weh es tut dich so zu sehen. Die einfachsten Dinge nicht mehr mit dir machen zu können. Und den Alltag ohne dich bestreiten zu müssen. Seit deinem Herzinfarkt hat mein Leben sich komplett auf den Kopf gestellt. Alles hat sich verändert. Ich habe mich verändert. Ich wusste nicht wohin, habe lange den richtigen Weg gesucht. Bin gefallen, wieder aufgestanden und erneut gefallen. Es war, als würde ich mich nur im Kreis drehen und das Schlechte würde kein Ende finden. Doch ich bin immer wieder aufgestanden, habe gelernt, für mich selbst

If life is a song somehow it’s sad –
I don’t know the words without you, Dad.
– Neele Ternes

zu sorgen und das Leben zu nehmen, wie es ist. Ich habe gelernt, dass ich zwar Schicksalsschläge nicht ändern kann, aber selbst in der Hand habe, wie ich damit umgehe. Ich habe selbst in der Hand, ob ich aufgebe, oder ob ich kämpfe. Und ich werde mich immer wieder dafür entscheiden zu kämpfen. Für dich.
Es ist nicht einfach, es gibt oft Rückschläge. In den einfachsten Situationen denke ich „das würde ich gerne mit Papa besprechen“. Ich würde gerne wissen, was du über mich und mein Leben denkst. Ob du wohl stolz auf mich wärst? Ich würde dir gerne zeigen, was ich täglich mache. Dich an meinem Leben teilhaben lassen. Mit dir essen gehen, einfach Spaß haben. Das leben lieben und genießen. Dir zeigen, wie sehr ich dich liebe und wie sehr ich dich respektiert und verehrt habe.

Ich wünsche mir so sehr, dass ich dir öfter gesagt und gezeigt hätte, was du für mich bist. Doch weißt du, was am meisten schmerzt? Keinerlei Erinnerungen mehr an dich zu haben – außer die in meinem Kopf. Natürlich, das sind die wertvollsten. Doch ich wünschte, man hätte mir die Fotos meiner Kindheit gelassen. Man hätte mir meine Kindheit und meine Erinnerungen mit dir gelassen. Doch das, was mir geblieben ist sagt mehr, als Worte es je könnten.

Du bist mein Held.
Ich vertraue dir. 
Du bringst mich zum Lachen.
Bei dir fühle ich mich geborgen. 
Du lehrst mir die Wunder dieser Welt.
Du würdest alles für mich geben.
Deine Liebe ist bedingungslos. Endlos. 
Ich liebe dich. Du bist mein Leben.

Home used to be just some walls that I knew.
But the truth is that home means nothing without you.
– Neele Ternes

Es ist wahr – Zuhause ist nicht mehr Zuhause, seit du nicht mehr da bist. Ich warte jeden Tag darauf, dass du vor der Tür stehst. Ich träume von dir, träume von deiner Genesung. Wünsche mir so sehr, wieder mit dir lachen und mit dir weinen zu können.
Aber die Wahrheit ist, dass es nie wieder so sein wird, wie es einmal war…

Die Wahrheit ist, dass ich damit klar kommen muss, wie es ist. Die Wahrheit ist, dass ich die Zeit mit dir intensiver hätte nutzen und genießen müssen.

Die Wahrheit ist, dass ich dich nicht sehen kann, wie du jetzt bist, ohne, dass es mir das Herz in tausende kleine Fetzen zerreißt. Die Wahrheit ist, dass ich mitten in der Nacht weinen aufwache, weil es sich so echt angefühlt hat, wie du im Traum neben mir gestanden und mit mir geredet hast.

Die Wahrheit ist: Ich kann die Zeit nicht zurück drehen und die Dinge nicht ändern. 

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